Achtsamkeitstraining mit Medizinstudenten

Der Allgemeinarzt Craig Hassed entwickelte an der Monash-Universität in Victoria in Australien ein Programm für Medizinstudenten und -studentinnen, das Achtsamkeit mit Elementen aus der kognitiven Verhaltenstherapie und mit der Auseinandersetzung mit dem Lebensstil kombiniert – Hassed (2009) Enhancing the health of medical students: outcomes of an integrated mindfulness and lifestyle program:

The ESSENCE lifestyle model

  • Education: Die Bedeutung von Wissen und Reflexion
  • Stress management: Die Bedeutung psychischer Gesundheit – Achtsamkeitsprogramm (SRP s.u.)
  • Spirituality: Die Bedeutung von Sinn und/oder Spiritualität für Lebensbewältigung, Gesundheit und Krankheit
  • Exercise: Die Bedeutung und Umsetzung von körperlicher Aktivität
  • Nutrition: Die Bedeutung von gesunder Ernährung und von Essgewohnheiten
  • Connectedness: Die Rolle sozialer Unterstützung, von Einbettung und Verbundenheit für Wohlbefinden und Gesundheitsförderung
  • Environment: Schaffung einer gesunden Umgebung, rein physisch, emotional und sozial

 

Stress Release Program (SRP)  (Hassed 2008):

  • Achtsamkeitspraxis: Den Studenten wird empfohlen, am Tag zweimal einen Punkt zu setzen und für jeweils fünf Minuten ganz innezuhalten und so viele Kommas zusetzen, wie notwendig, indem sie 15-30 Sekunden innehalten. Sie können dann die Dauer und Frequenz der Praxis je nach Bedarf und Motivation erhöhen.
  • Als wöchentliche Hausaufgaben gibt es achtsamkeitsbasierte kognitive Aufgaben. Die Erfahrungen und Einsichten werden in der folgenden Woche besprochen
    • Wahrnehmung: Inwieweit hängt es von der Wahrnemung ab, ob bestimmte Eriegnisse Stressreaktionen auslösen?
    • Loslassen und Akzeptanz: Ist es unvermeidbar, dass bestimmte Gedanken, Gefühle oder Erfahrungeen Stress auslösen oder hängt das von unserer Beziehung zu ihnen und unserer Haltung ab?
    • Präsenz: Welche Auswirkungen hat es, wenn man – durch die Verbindung zur sinnlichen Wahrnehmung – mehr im Moment lebt, als dass man sich von Vergangenheit und Zukunft behrrschen lässt?
    • Limitierungen: Inwieweit schränken uns Vorstellungen und Bilder, die wir uns über uns selbst machen, ein, inwieweit verursachen sie Stress und wo führen sie zu Vermeidungsverhalten?
    • Den Gedanken Aufmerksamkeit schenken: Inwieweit werden Stress und Depression von den automatischen Gedanken verursacht – wenn wir ihm Gehör schenken – und haben wir die Wahl, darauf zu hören bzw. eben nicht?
    • Selbstdisziplin: Warum verfolgen wir Dinge nicht, die notwendig wären, warum stoppen wir Dinge nicht, wenn wir es eigentlich müssten und was hat das für Auswirkungen?
    • Gefühle: Ist es möglich, einen weisen Umgang mit Gefühlen zu kultivieren, indem wir wählen, welchen wir folgen – ohne sie zu unterdrücken oder ihre Anwesenheit zu kritisieren?
    • Über das Interesse an sich selbst hinausgehen: Welche Auswirkungen hat es, wenn man sich mehr für die Bedürfnisse der Mitmenschen interessiert und mehr auf sie eingeht?
  • Resultate: 90,5% der Studenten berichteten, dass sie die Achtsamkeitspraxis ausführten. Das Wohlbefinden verbesserte sich in allen Messgrößen, in den Subkalen Depression und Feindseligkeit des GSI und des SCL-90 war die Veränderung statistisch signifikant; nicht jedoch in der Subskala von Angst.

Eine Arbeitsgruppe vom Jefferson Medical College Philadelphia bot StudentInnen im zweiten Studienjahr einen modifizierten 10-wöchigen MBSR-Kurs an. Es nahmen 140 Studenten am Achtsamkeitskurs teil; sie wurden mit 162 anderen verglichen, die ein Seminar über Komplementärmedizin besuchten. Obwohl die Stimmungsschwankungn vor der Intervention in der Achtsamkeitsgruppe größer waren, als in der Kontrollgruppe, waren diese nach der Intervention in der MBSR-Gruppe niedriger. Signifikante Effekte ergaben sich in den Subskalen Tension-Anxiety, Confusion-Bewilderment, Fatigue-Inertia, and Vigor-Activity. (Rosenzweig et al 2003) [pdf-download]

In einer Studie aus Tasmanien übten MedizinstudentInnen mit Hilfe einer CD über 8 Wochen täglich Achtsamkeit:

Methods: We carried out a multicentre, single-blinded, randomised controlled trial with intention-to-treat analysis in three clinical schools attached to the University of Tasmania, Hobart, Tasmania. Participants included 66 medical students in their final 2 years of study in 2009. Participants were block-randomised to either an intervention or a usual care control group. The intervention used an audio CD of guided mindfulness practice designed and produced for this trial. Participants were advised to use the intervention daily over the 8 weeks of the trial. All participants completed two self-report questionnaires, at baseline and at 8 weeks, respectively. The intervention group also completed a questionnaire at 16 weeks to provide follow-up data. The primary outcome measure was the difference over time in scores on the Perceived Stress Scale (PSS). The secondary outcome measure referred to differences over time in scores on the subscales of the Depression, Anxiety and Stress Scale (DASS). Results: Mean baseline scores on the PSS and the stress component of the DASS were 15.7 (maximal score of 40) and 13.2 (maximal score of 42), respectively, both of which exceed scores in age-matched normative control data. Using multivariable analysis, participants in the intervention group demonstrated significant reductions in scores on the PSS (− 3.44, 95% confidence interval [CI] − 6.20 to − 0.68; p < 0.05) and the anxiety component of the DASS (− 2.82, 95% CI − 4.99 to − 0.64; p < 0.05). A borderline significant effect was demonstrated on the stress component of the DASS (− 3.69, 95% CI − 7.38 to 0.01; p = 0.05). Follow-up at 8 weeks post-trial revealed that the effect was maintained. Conclusions: Mindfulness practice reduced stress and anxiety in senior medical students. Stress is prevalent in medical students and can have adverse effects on both student health and patients. A simple, self-administered, evidence-based intervention now exists to manage stress in this at-risk population and should be widely utilised (Warnecke et al 2011).

Eine der ersten Studie mit MBSR bei Medizinstudenten führten Shapiro et al 1998 durch: das „Arizona-Programm.

  • Es reduziert Angst als state und trait,
  • reduziert Gesamt-Stress einschließlich Depression,
  • erhöht die Empathiefähigkeit
  • erhöht die Fähigkeit zu spirituellen Erfahrungen.

Weitere Studie zur Förderung von Wohlbefinden: Cultivating mindfulness: effects on well-being. Shapiro et al (2008) [PubMed]

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