Hardiness (Widerstandsfähigkeit)

Die Ausgangsbasis für das von der Psychologin Suzanne C. Kobasa (Kobasa 1979) entwickelte Konstrukt der Widerstandsfähigkeit (Hardiness) bildete eine auf zwölf Jahre angelegte Studie, in der von 450 Mitarbeitern einer großen amerikanischen Telefongesellschaft regelmäßig Daten erhoben wurden. Im Jahr 1981 fiel eine Entlassungswelle in den Untersuchungszeitraum, in der die Zahl der Arbeitnehmer von 26.000 auf 14.000 reduziert wurde. Ein Manager berichtete, dass in diesem Jahr zehn verschiedene Vorgesetzte einander die Türklinke in die Hand gaben. In den folgenden sechs Jahren hatten zwei Drittel der Studienteilnehmer Probleme mit ihrer Leistung, mit Gewalt und langen Abwesenheiten am Arbeitsplatz, manche litten unter Herzattacken, bekamen Krebs, psychische Erkrankungen oder nahmen sich das Leben. Die Personen des dritten Drittels überlebten nicht nur gut, sondern blühten regelrecht auf. Sie hatten mehr Energie, fühlten sich vitaler und hatten weniger Symptome als vor dem großen Einschnitt. Ziel der Studie war es nun herauszufinden, was diese Arbeitnehmer von den anderen unterschied und sie widerstandsfähiger machte.

Ähnlich wie Antonovskys Kohärenzsinn umfasst auch das Konstrukt der Hardiness (Widerstandsfähigkeit) drei Komponenten, im englischen Original sind das drei C‘s: Aus dem inneren Vertrauen heraus, auftauchende Situationen kontrollieren (control) d.h. steuern und bewältigen zu können engagierten und involvierten sie sich aktiv in Richtung Lösung (commitment) und sahen in den belastenden Situationen eher eine Herausforderung (challenge). Diese drei Attribute bezeichnen wieder eine Grundhaltung dem Leben gegenüber, die zu einem aktiven, lösungsorientierten Bewältigungsverhalten führt.

Personen mit hohem Commitment waren überzeugt, dass es unter allen Umständen das Beste sei, sich an dem zu beteiligen, was rund um sie herum vorgeht. In Kontakt mit den Menschen zu bleiben sei das sinnvollste, was man machen könne. Sich in Isolation und Entfremdung zurückzuziehen wäre ihnen als Vergeudung von Zeit und Talenten erschienen. Jene, die ein hohes Gefühl von Kontrolle hatten, glaubten, man solle immer versuchen, den Dingen eine gute Richtung zu geben, auch wenn dies nahezu unmöglich erscheine. Sie hätten es als Vergeudung von Zeit und Talent empfunden, in Passivität und Ohnmacht zu versinken. Für jene mit hohen Werten im Bereich Challenge waren Veränderungen normal. Unabhängig davon, ob die Erfahrungen für sie positiv oder negativ ausfielen, schätzten sie die Möglichkeit, aus ihnen zu lernen, das Leben besser zu verstehen und ein wenig weiser zu werden. Ihnen wäre es als naiv erschienen, sich nur Bequemlichkeit und Sicherheit zu wünschen.

Die Menschen mit großer Widerstandsfähigkeit wendeten sich den belastenden Umständen zu und wurden aktiv. Sie bemühten sich, potentielle Katastrophen in positive Möglichkeiten umzuwandeln. Der Gegensatz dazu wären Verleugnung, Vermeidung und die Beschuldigung anderer. Die widerstandsfähigen Arbeitnehmer pflegten ihre Beziehungen zu Kollegen, die ihnen etwas bedeuteten und standen einander ermutigend bei. Gegensätze wären ein zersetzender Konkurrenzkampf und Überbehütung. Nicht zuletzt sorgten die widerstandsfähigen Arbeitnehmer gut für ihren Körper, indem sie sich gesund ernährten, Möglichkeiten zur Entspannung fanden und ihn regelmäßig trainierten.

Inzwischen gibt es über 600 Studien zu Hardiness und einen Fragebogen zur Erfassung von Widerstandsfähigkeit (Maddi 2007).



Kobasa, SC (1979) Stressful life events, personality, and health: an inquiry into hardiness. Journal of personality and social psychology, 37(1), 1–11 Maddi, SR (2007) Relevance of Hardiness Assessment and Training to the Military Context. Military Psychology, 19(1), 61–70

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