Kommunikation und Burnout-Prävention

Eine achtsame Form der Kommunikation, die sich am Modell der „gewaltfreien Kommunikation“ nach Rosenberg (2003) orientiert, ist beim Thema Burnout in mehrfacher Hinsicht relevant.

Burnout bzw. ein glückliches Leben hängen mit der Wahrnehmung und Erfüllung von Bedürfnissen bzw. der Umsetzung individueller Werte zusammen. Gefühle können als Signale verstanden werden, dass Bedürfnisse oder Werte bedroht sind, Bedürfnisse nicht erfüllt werden oder ihnen im Falle angenehmer Gefühle sehr wohl nachgekommen wird. Dieser Zugang zu Gefühlen verhilft, sie mit einem Wunsch oder einer Bitte an jene Menschen zu verknüpfen von denen wir diesbezüglich abhängig sind.

So besteht „achtsame Kommunkation“ aus mehreren Schritten:

  1. Einer achtsamen Selbstwahrnehmung, was bedeutet, in selbstakzeptierender Weise gegenwärtige körperliche Signale wahrzunehmen bzw. sich anbahnende Gefühle frühzeitig zu erkennen.
  2. Für sich selbst das Wahrgenommene zu benennen und mit der Nichterfüllung eines Bedürfnissen oder des Nicht-Lebens eines individuell bedeutsamen Wertes zu verknüpfen.
  3. Dem Gegenüber – wenn es angemessen ist – einen Einblick in das eigene Innenleben zu geben, damit er/sie die Reaktion verstehen kann
  4. das Bedürfnisses in die Äußerung eines Wunsches oder einer Bitte zu übersetzen.
  5. Es ist wichtig, dem Anderen die Möglichkeit zu geben, diesem Wunsch bzw. der Bitte auch nicht nachzukommen.

Ein Beispiel:

  1. Ein 40jähriger Büroangestellter nimmt wahr, wie sich bei einer ungerechtfertigten, abfälligen Bemerkung des Chefs seine Hände zu Fäusten ballen, sich der Nacken verspannt, sein Puls schneller wird und sich etwas im Bauch zusammenkrampft.
  2. Er hält einige Augenblicke inne und erkennt das Gefühl als Ärger – als Energie, die der Körper bereitstellt, um Nein zu sagen, wenn Grenzen verletzt werden – er fühlt sich in seinem Bedürfnis nach Wertschätzung und Respekt verletzt.
  3. Er atmet einige Atemzüge tief durch, spürt den Kontakt der Fußsohlen mit dem Boden und kann sich dadurch wieder etwas beruhigen. Er überlegt, ob dies ein angemessener Zeitpunkt ist, dem Chef etwas von sich zu sagen.
  4. Er sieht, dass der Chef noch im Zimmer ist und sich mit einer Kollegin unterhält. Nachdem dieses Gespräch beendet war, bittet der Angestellte seinen Chef um eine kurze Unterredung, die ihm sogleich gewährt wird.
  5. Der Chef hört sich das in angemessenem Ton vorgebrachte Anliegen an und entschuldigt sich für die Bemerkung. Er erklärt seinerseits, dass ihn kurz zuvor etwas ganz anderes verärgert hätte.
  6. Da dies ein Betrieb ist, der auf ein menschliches Miteinander Wert legt, bittet der Chef, der zu aufbrausendem Verhalten neigt, das ihm hinterher oft leid tut, ihm in Zukunft möglichst schnell Rückmeldung zu geben, wenn so etwas wieder passiert.

Auch wenn dies ein in seinen Auswirkungen sehr positives Beispiel ist, lohnt es sich doch in vielen Fällen, es zumindest auf die vorgeschlagene Weise zu versuchen.

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