Schlüsselbegriffe

Arbeits(un)zufriedenheit

Arbeits(un)zufriedenheit wird definiert als subjektive Einschätzung und kognitive und emotionale Bewertung der eigenen Arbeit. Dabei spielen die erlebte Sinnhaftigkeit der Arbeit, die erlebte Verantwortung für das Arbeitsergebnis, und die Kenntnis über das Ergebnis der eigenen Arbeit. Arbeitszufriedenheit ist das Resultat aus dem Vergleich zwischen den (Wunsch-) Vorstellungen und dem tatsächlich Erlebten. Bei Berufsunzufriedenheit können die Erwartungen gesenkt werden, was zu resignativer „Pseudoarbeitszufriedenheit“ führt. Oder aber die Frustration bleibt erhalten und es werden konstruktive Lösungen gesucht. Es kann aber auch auf Anstrengungen zur Problemlösung verzichtet werden (fixierte Arbeitszufriedenheit) oder die Unzufriedenheit verleugnet bzw. innerlich verschleiert werden.

Arbeitsunzufriedenheit begünstigt eine Entwicklung von Burnout, Burnout führt zu Arbeitsunzufriedenheit. Andererseits hat Arbeitzufriedenheit eine protektive Funktion.

Coping

Coping bedeutet die Bewältigung von gegebenen Anforderungen. Copingmodelle beziehen das Verhältnis von Anforderungen und den dazu zur Verfügung stehenden Ressourcen mit ein. Man kann unterschiedliche Coping-Strategien beschreiben, in Hinblick auf ihre Auswirkungen kann man zwischen funktionalen und dysfunktionalen Strategien unterscheiden.

Für Burnout ist charakteristisch, dass die eingesetzten Coping-Strategien dysfunktional sind, d.h nicht zur Bewältigung der Anforderungen beitragen. Vielmehr führen viele Strategien zu neuen, zusätzlichen Problemen. Ein diesbezügliches Beispiel wäre Alkohol als „Problemlöser“ oder selbstgefährdendes Verhalten von „Adrenalinjunkies“, die nur unter Extrembedingungen abschalten können.

Gleichgewichtstheorien (Equity-Theory)

Die Equity-Theorie macht Aussagen darüber, inwieweit im Verhältnis zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer ein Gleichgewicht von Geben und Nehmen besteht. Dabei wird ein menschliches Grundbedürfnis nach Ausgewogenheit postuliert, subjektiv erlebtes Ungelichgewicht lässt ein Bedürfnis nach Ausgleich entstehen. Daneben gibt es Werte wie Gemeinschaftssinn, Mitgefühl und daraus resultierende Fürsorge für andere Menschen. Eine gemeinschaftsorientierte Grundeinstellung führte bei gleichen Werten wahrgenommener Ungleichheit zu einem geringeren Maß an erlebten Burnout (Rösing 2003, 142).

Innere Kündigung

Innere Kündigung ist ein Begriff aus der Managementlehre. Im Zentrum einer inneren Kündigung steht der bewusste Verzicht auf Engagement und Initiative in einer und für eine Organisation. Dabei distanziert sich die betroffene Person von der Arbeit und der Organisation und verhält sich passiv. Innere Kündigung ist häufig das Ende eines langwierigen Prozesses, bei dem enttäuschte Erwartungen an den Arbeitgeber oder die Arbeitssituation eine zentrale Rolle spielen.

Innere Kündigung kann ein Symptom-Baustein eines Burnout-Syndroms sein.

Job Demands Control Model (Arbeits-Anforderungs-Kontroll-Modell)

Arbeitsstress resultiert aus einer Kombination von hohen Arbeitsanforderungen und niedriger Arbeitskontrolle. Arbeitskontrolle beschreibt die Möglichkeit des Arbeitenden, seine Arbeitsssituation zeitlich und inhaltlich mitzugestalten.

Mitgefühlsmüdigkeit bzw. Mitgefühlsermüdung (Compassion fatigue)

Beschrieben speziell in helfenden Professionen, bei Personen, die mit traumatisierten Menschen arbeiten (auch sekundäre Traumatisierung) [link]

Mobbing (engl. „to mob“: bedrängen, attackieren, angreifen)

Von Mobbing kann gesprochen werden, wenn jemand am Arbeitsplatz häufig und über einen längeren Zeitraum schikaniert, drangsaliert oder benachteiligt und ausgegrenzt wird. Dazu werden etwa Gerüchte und Unwahrheiten verbreitet, Personen werden nicht mehr angesprochen, lächerlich gemacht, gedemütigt, mit Gewalt bedroht oder Opfer von Gewalt.

Mobbing kann zu Burnout führen, Burnout-Gefährdete bieten sich als Mobbing-Opfer an.

Neurasthenie

Im New York des Jahres 1869 veröffentlicht der Neurologe Georg M. Beard einen Aufsatz über ein neuartiges Krankheitsbild: Neurasthenia, or Nervous Exhaustion. Später schreibt er: „Der wichtigste und primäre Grund dieser Entwicklung und des starken Anstiegs der Nervosität ist die moderne Zivilisation, die sich von den älteren durch fünf Charakteristika unterscheidet: Dampfkraft, regelmäßig erscheinende Zeitungen, Telegrafen, die Wissenschaften … bürgerliche und religiöse Freiheiten und die große geistige Aktivität …“ [Beard 1882, S vi-vii]. Neurasthenie war seiner Überzeugung nach eine typische Erkrankung einer hektischen Epoche, die durch einen in vielerlei Hinsicht dramatischen Wandel gekennzeichnet war. Im „Oberpfälzer Schulanzeiger“ wurde Neurasthenie im Jahr 1911 als Lehrerkrankheit mit folgenden Symptomen beschrieben: Schlafstörungen, Überempfindlichkeit von Haut, Gehör und Augen, Kopfschmerzen, Ermüdung, Konzentrations- und Aufmerksamkeitsstörungen, Verringerung der Leistungsfähigkeit, Niedergeschlagenheit oder Übererregbarkeit, Appetitstörungen, Arbeitsunfähigkeit und andere Symptome, die insgesamt durchaus Burnout ähnlich sind.

Rolle

„Rolle“ ist ein Begriff aus der Sozialpsychologie, der zum Verständnis von organisationsbezogenen  Mechanismen der Burnout-Entwicklung wertvoll ist.

Jeder Position innerhalb einer Organisation sind eine Menge potentieller Tätigkeiten und Verhaltensweisen zugeordnet. Eine grobe Aufzählung erfolgt oft in Stellenbeschreibungen. Die beteiligten Personen haben „Rollenerwartungen“ an den Rollenträger, dieser wiederum hat seine eigene „Rollenauffassung“. Oft divergieren die beiden bzw. sind die Rollenerwartungen nicht oder ungenau definiert, widersprüchlich oder vollkommen unklar.

Salutogenese

Salutogenese ist ein vom Medizinsoziologen Aaron Antonovsky entwickeltes Konzept um zu erklären, warum bestimmte Personen auch in sehr belastenden Situationen gesund bleiben. Antonovsky fand heraus, dass drei Faktoren gesundheitserhaltend sind:

  • Verstehbarkeit: Das Gefühl, dass Lebensbedingungen und Herausforderungen erklärbar, durchschaubar und damit vorhersagbar.
  • Handhabbarkeit: Die Überzeugung, dass die Herausforderungen (aus eigener Kraft) bewältigt werden können.
  • Sinnhaftigkeit: Das Gefühl, die Bewältigung des Lebens mit seinen Herausforderungen macht Sinn und ist es wert.

 

Stress

Stress kann dreierlei bedeuten:

  • Körperliche und psychische Belastungen (Stressoren)
  • Reaktionen körperlich und psychisch (Stressreaktion)
  • Ein Missverhältnis zwischen Belastung und den zur Verfügung stehenden Bewältigunsgmöglichkeiten.

Burnout kann als letzte Stufe eines missglückten Prozesses angesehen werden, arbeitsbezogene Belastungen zu bewältigen. …mehr zu Stress und Stressmodellen

Artikel zu Stress: „Stressalarm“ von Matthias Wenke (Ursache  & Wirkung Winter 2010/11)

Verbitterungsstörung

Das Gefühl der Bitterkeit kann aus einer Vielzahl von Kränkungen erwachsen, aus gescheiterten Lebensentwürfen ebenso wie aus vielen kleinen Erniedrigungen. Da braucht es nicht zwingend ein einzelnes traumatisches Ereignis als Auslöser. Verbitterung kann krankhafte Züge annehmen. Ähnlich wie depressive Zustände komme auch das Gefühl der Bitterkeit unterschiedlich stark ausgeprägt vor – angefangen bei der normalen Reaktion auf ein ungerechtes Erlebnis bis hin zu einer Lebenseinstellung, die zur sozialen Isolation führen kann. Sie bedarf spezieller Zugänge. Überschneidungen von Burnout mit einer Verbitterungsstörung sind möglich. ….mehr zur Verbitterungsstörung

Work-Life-Balance

Ausgewogenheit zwischen Arbeits- und Privatleben.

Eine unausgewogene Work-Life-Balance kann zu Burnout führen, umgekehrt gefährdet Burnout ein bestehendes Gleichgewicht. Auf der anderen Seite kann ein erfülltes Privatleben ein protektiver Faktor gegenüber Burnout sein.

Der Begriff unterstellt allerdings dass „Arbeit“ und „Leben“ einander ausschließende Gegensätze seien und während der Arbeit kein Leben stattfände, bzw. Leben nur in der „Freizeit“ passiert. Es wäre wohl sinnvoller, von einer ausgewogenen oder eben nicht ausgewogenen Balance verschiedener Lebensbereiche zu sprechen. Welche Lebensbereich – die oft auch mit Rollen und Aufgaben zu tun haben – ein Mensch wählt, ist höchst individuell, z.B. Beruf 1, Beruf 2, Partnerschaft, Kinder, Eltern, Freunde, Verein 1, Verein 2, Hobby, Sport, Gemeinwesenarbeit … [mehr in Wiki]

Zeitmanagement

Irreführender Begriff, da nie Zeit „gemanagt“ werden kann, sondern nur der eigene Umgang mit der Zeit, eigenes Handeln. Zeitmanagement ist in diesem Sinne Selbstmanagement, bewusste Selbstssteuerung. …mehr zu Zeitmanagement

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